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Mission impossible?

Weshalb Mission gerade im Zeitalter der Toleranz nicht aufgegeben werden darf.

Bild: photocase.com/cydonna Jürgen Kuberski

Der Agent Ethan Hunt (gespielt von Tom Cruise) hatte eine besonders schwierige Mission zu erfüllen. Als Verräter verdächtigt und gejagt von seinen eigenen CIA-Kollegen, musste er versuchen, seinen Namen reinzuwaschen und den eigentlichen Verräter zu finden. Diese Mission konnte unmöglich gelingen – doch Ethan Hunt hatte dennoch Erfolg. Millionen Kinobesucher atmeten 1996 nach diesem action- und spannungsgeladenen Blockbuster auf. «Mission impossible» – ist seither schon fast sprichwörtlich geworden für einen unmöglich zu bewältigenden Auftrag.

Immer mehr Betriebe haben ein «Mission Statement», in dem ihr Auftrag und Ziel formuliert ist. Auch hier wird «Mission» als «Auftrag» im weitesten Sinn verstanden. Doch «Mission» bedeutet weit mehr als das. Das Wort kommt aus dem lateinischen missio (Sendung), abgeleitet von mittere (senden). Der Missionar ist damit einfach der Gesandte.

Mission im Zeitalter der Toleranz

Missionare haben heute nicht überall den besten Ruf. Andere Menschen missionieren? Zum christlichen Glauben bekehren? Das wird im Zeitalter der Toleranz strikt abgelehnt. «Soll doch jeder glauben, was er will, wir brauchen keine Mission!», so ist immer wieder zu hören. Auch in kirchlichen Kreisen ist man vorsichtiger geworden und hält die klassische Mission nicht selten für überholt: Sie müsse durch einen voraussetzungslosen Dialog ersetzt werden; Ziel sei nicht Religionswechsel, sondern Hinwendung zu Gott, so ist in manchen Verlautbarungen zu lesen. Diese Haltung ist verständlich, wenn man einen Blick in die christliche Missionsgeschichte wirft: Da wurde der Stamm der Sachsen von Karl dem Grossen unter Todesdrohung zwangsbekehrt, Juden wurden gezwungen, zum christlichen Glauben zu konvertieren, und in Kolonien half der militärische Druck der Eroberer häufig bei der Missionierung der Einheimischen nach. Das Recht der Andersgläubigen auf ihre Religion wurde beileibe nicht immer respektiert.

Aber ist dies nicht ein allzu einseitiges Bild der Mission? In der gesamten Kirchengeschichte bis heute gibt es viele Beispiele von einer bewundernswerten Missionstätigkeit – bei der die Verkündigung der Guten Nachricht von Jesus mit praktischer Nächstenliebe verbunden war. So wurden überall auf der Welt Missionskrankenhäuser gebaut, Schulen eingerichtet und hungernde Menschen versorgt. Keine andere Religion der Welt hat so viel Karitatives geleistet wie das Christentum mit seiner Mission. Noch heute ist der Theologe und Mediziner Albert Schweitzer (1875–1965), der in Lambaréné (Gabun) ein Urwaldkrankenhaus errichtete, der Urtypus des «guten Missionars». Dabei übersieht man häufig, dass Schweitzer dort nicht nur medizinisch helfen, sondern auch Menschen zum christlichen Glauben einladen wollte.

Mission – und die Menschenrechte?

Unter Hinweis auf die allgemeinen Menschenrechte heisst es dann: «Jeder Mensch hat das Recht auf seine Meinung – und seine Religion!» – Nun wird dies heute kein Missionar in Frage stellen. Im Gegenteil: Missionare sind durch Alphabetisierungsprogramme, durch christliche Schulen und ihr Eintreten für die Bildung von Frauen und die Rechte von Minderheiten immer wieder für die Menschenrechte eingetreten. Und wenn Meinungsfreiheit für alle Menschen gilt, dann auch für Missionare: Auch sie sollten frei von ihrer Überzeugung reden dürfen! Die Menschenrechte sind nicht teilbar. Jeder Mensch darf bei seiner Religion bleiben – aber er darf auch wechseln! Dieses Recht wird jedoch in islamischen Staaten – im Unterschied zu christlichen – oft nicht gewährt.

«Mission zerstört die Kultur der Einheimischen!»

Dieser Vorwurf scheint berechtigt zu sein: Wenn Missionare in Indien die Einheimischen dazu gebracht haben, sich westlich zu kleiden und mit Messer und Gabel zu essen, dann hat dies mit dem Evangelium oder dem christlichen Glauben nichts zu tun. Die Boten des Evangeliums waren hier leider auch Wegbereiter der westlichen Kultur und Zivilisation. Dennoch bezweifelt der Freiburger Völkerkundler Dr. Lothar Käser, ob Missionare Kultur zerstören können: «Kultur lässt sich auch nicht im landläufigen Sinn zerstören, schon gar nicht durch Missionare. Da überschätzt man die Fähigkeit von Missionaren doch wohl erheblich.» Sie tragen bestimmt dazu bei, dass sich Kultur verändert – aber dabei sind sie nicht die Einzigen: Auch Händler, Entwicklungshelfer, Regierungsbeamte, Ärzte und Touristen haben einen erheblichen Einfluss. Wenn Lehrer Naturwissenschaft unterrichten und Ärzte Hygienekurse geben, verändern sie damit ebenso die Kultur wie Missionare. Radio und Fernsehen, Werbung, Handy und Internet dringen in die entlegendsten Winkel der Erde ein und bringen ihre «Kultur» mit.

Was steckt eigentlich hinter dem Gedanken, dass die Kultur eines Volkes nicht verändert werden dürfe? Dass eine Kultur möglichst so bleiben soll, wie sie ursprünglich war? Aber wenn das die Einheimischen selbst gar nicht wollen? Kann man einen Stamm zu einem lebendigen Völkerkunde-Museum machen? Sie abschirmen von allen Einflüssen der Aussenwelt? Das wäre gegen jede Freiheit und Selbstbestimmung. Oder steckt dahinter das Ideal der «edlen Wilden», die in paradiesähnlichen Zuständen leben und durch die westliche Kultur gefährdet sind? Dabei sieht man jedoch die Kultur der «Einheimischen» als zu positiv und verklärt den Alltag.

Was ist mit dem Einsatz von Technik, die die Arbeit erleichtert? Oder erst recht mit Riten, die menschenverachtend und zerstörerisch sind? Beispiele gibt es genug: Die weibliche Genital-Verstümmelung in afrikanischen Gebieten, die Witwenverbrennung in Indien und die Tötung von Kindern in manchen Stammesvölkern. Wenn in einem Stamm die jungen Männer als «Mutprobe» ein Hornissennest mit blossen Händen aus dem Baum holen müssen, mutet das dagegen fast harmlos an. Bei uns wäre das zumindest eine schwere Körperverletzung und würde vom Gesetzgeber zu Recht geahndet, um Menschen zu schützen. Wer Missionaren verbieten will, etwas gegen derartige Riten zu tun, handelt unmenschlich und misst mit unterschiedlichem Mass.

Warum überhaupt Mission?

Warum nehmen manche Christen so viele Mühen auf sich, um anderen Menschen von Jesus zu erzählen? Haben sie den christlichen Glauben falsch verstanden? Im Gegenteil: Wer Mission ablehnt, hat das Evangelium nicht richtig verstanden, denn Mission gehört wesensmässig zum Christentum dazu! Gott, der Schöpfer des Universums, hat die Menschen «in seinem Ebenbild» geschaffen, damit er mit ihnen Gemeinschaft haben kann. Gott liebt die Menschen, doch sie haben sich von ihm abgewendet. Sie gingen ihre eigenen Wege, verehrten ihre eigenen Götter, wandten sich gegen Gottes Gebote und liefen in ihr Verderben.

Doch Gott liess die Menschen nicht einfach laufen. Er startete seine göttliche Mission: Er sandte Propheten und Leiter, um die Menschen zur Gemeinschaft mit ihm zurückzuholen. Doch nur wenige haben darauf geantwortet. Deshalb ging er noch einen Schritt weiter: «Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab. Nun werden alle, die sich auf den Sohn Gottes verlassen, nicht zugrundegehen, sondern ewig leben» – so lautet einer der bekanntesten Bibelverse der Welt (Joh. 3,16). Unglaublich: Gott selbst wurde Missionar! In Jesus kam Gott selbst auf die Welt, denn Jesus war Mensch und Gott zugleich (Joh. 1,1 ff.; 10,30 ff.). In Jesus wurde das Wesen Gottes sichtbar. Er zeigte uns Menschen die Liebe Gottes – durch Worte und gute Taten – bis dahin, dass er für uns am Kreuz starb. Dadurch hat er uns von der Schuld befreit und die Gemeinschaft mit Gott wieder ermöglicht. Paulus, der Apostel (griechisch für «Gesandter», auch im Sinne von «Missionar»), drückte das so aus: «Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn dies ist ja unser Bekenntnis: Nur einer ist Gott, und nur einer ist auch der Vermittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Jesus Christus. Er gab sein Leben, um die ganze Menschheit von ihrer Schuld loszukaufen. Dies gilt es zu bezeugen ...» (1. Timotheus 2,4–6).

Und so haben viele Christen das bezeugt, was Jesus für sie getan hat, und luden andere Menschen zur Gemeinschaft mit Gott ein. So wie Jesus von Gott-Vater gesandt wurde, hat Jesus seine Nachfolger gesandt: «Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich nun euch!» (Joh. 20,21). Am Ende des Matthäus-Evangeliums steht der bekannte «Missionsbefehl»: «Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern ...» (Matthäus 28,19). Die ersten Jünger von Jesus haben diesen Auftrag befolgt, viele Menschen wurden Christen, es entstanden Gemeinden und dann das Neue Testament. «Christentum ist undenkbar ohne Mission», stellt deshalb der Theologieprofessor Gerhard Ebeling fest. Die Erfüllung des Missionsauftrags gehört für Nachfolger von Jesus zu ihrem Glauben dazu.

Mission: Wie und wie nicht?

Jesus hat nicht nur gepredigt, sondern auch geheilt. Daher gehört sozialer Dienst zum Missionsauftrag dazu. Wie kann man von der Liebe Gottes predigen, ohne praktisch zu helfen? Mission ohne Dienst ist einseitig und lieblos – und nicht im Sinne von Jesus, der seine Jünger aufforderte, gute Werke zu tun: «So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen» (Matth. 5,16). Gute Werke dürfen jedoch nicht dazu dienen, um Menschen zu manipulieren. In der Missionsgeschichte gibt es Beispiele von «Reis-Christen», also Menschen, die Christen wurden, weil sie nur so Hilfe bekamen. Jedoch sind christliche Missions- und Hilfswerke heute gerade dafür bekannt, allen zu helfen, auch denen, die kein Interesse am christlichen Glauben haben. Missionare wollen nicht die Abhängigkeit und Hilflosigkeit der Einheimischen ausnutzen, sie wollen auch nicht Menschen «überreden» und durch geschickte Rhetorik «bekehren» – dieser Vorwurf ist so alt wie das Christentum (vgl. 1. Kor. 2,4 ff.).

Die Überzeugungskraft der Mission liegt einzig und allein auf der Wirkung des Evangeliums: die froh machende Botschaft von der Liebe Gottes und das veränderte Leben derer, die Jesus nachfolgen.

Dr. Jürgen Kuberski studierte Theologie in der Schweiz und Belgien, war in Deutschland und in Japan im Gemeindebau aktiv und unterrichtet nun an theologischen Seminaren im Bereich Kultur, Mission und Gemeindebau. Seit vielen Jahren publiziert er zu den Weltreligionen und Weltanschauungsfragen.

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