
«Fünf Kinder? Und alle im Teenageralter?» Die freundliche Dame, die gleich bei mir die Zahnreinigung durchführen würde und mich zur Auflockerung der Atmosphäre nach meiner Familie gefragt hatte, sah mich entsetzt an. Schmunzelnd nahm ich wahr, dass ihr beinah das Besteck, das sie gerade fein säuberlich auf das weisse Tablett hoch über mir sortierte, heruntergefallen wäre.
«Na, da machen Sie ja Schlimmes mit! Mir reicht meine eine Tochter. Und die ist erst in der Vor-Pubertät!», fügte sie mit einem mitleidigen Blick nach unten hinzu.
Um es vorwegzunehmen: Ganz so schlimm, wie die Dentalhygienikerin vermutet, ist das Leben mit fünf Kindern zwischen 13 und 19 Jahren nicht. Sicher, das Badezimmer ist häufig belegt, das Auto nicht da und man geht öfter vor seinen Kindern ins Bett – um dann doch nicht so recht einschlafen zu können, bis sie alle wohlbehalten wieder zu Hause sind. Damit kann man leben, meistens jedenfalls. Aber es wäre unehrlich, nicht zuzugeben, dass diese Zeit doch tiefgehendere Herausforderungen mit sich bringt. Herausforderungen, die wir so nicht kannten, als unsere Kinder noch kleiner waren.
Wenn mir manchmal auf meinem Handy ein zufälliger Foto-Rückblick vergangener Jahre angezeigt wird – glückliche Kleinkinder im Planschbecken, strahlende Gesichter am Weihnachtsabend, selig schlafende Schätze auf dem Wohnzimmersofa –, kann ich mir einen wehmütigen Seufzer nicht verkneifen. Auch wenn der zeitliche Abstand manche Mühen schlafloser Nächte der früheren Familienphasen verblassen lässt: Was für wunderschöne Jahre liegen hinter uns! Die Gegenwart ist zwar nicht dramatisch schlimm, aber doch manchmal weniger idyllisch.
Als die Kinder klein waren, hatten wir Eltern keine Wahl: Wir wurden gebraucht und mussten uns investieren. Dafür waren wir in den Augen unseres Nachwuchses die Helden, das Zentrum ihrer kleinen Welt. Wie viele Jungs verkünden als Dreijährige voller Ernst, dass sie später niemand anderen als nur ihre Mama heiraten werden! Mama ist die Beste und Papa kann alles. Das sieht inzwischen ganz anders aus: Der Horizont der Kinder ist grösser geworden, sie kommen auch mal gut allein klar und manchmal haben sie vielleicht gar keine rechte Lust auf ihre Eltern – und wir, ehrlich gesagt, auch nicht immer auf sie!
«Die Kunst, einen Kaktus zu umarmen» heisst der Titel eines Buches zum Thema Teenager-Erziehung. Wenn die Stacheln pieken – da eine muffige Antwort, hier ein genervtes Augenrollen – ist die Versuchung gross, sich aus dem Leben seiner Teenies emotional zurückzuziehen. Quasi eine Fernbeziehung zu pflegen, obwohl man noch unter demselben Dach lebt.
Wenn ich hin und wieder mit den Eltern der Klassenkameraden meiner Kinder ins Gespräch komme, habe ich den Eindruck, dass viele das so machen. Dabei wünschen sich Heranwachsende nach wie vor eine vertraute und verlässliche Beziehung zu ihren Eltern. Viele Jugendleiter berichten von frustrierten Aussagen ihrer Jugendlichen wie «Mit meinen Eltern könnte ich niemals darüber reden». Dass der Teenager aber auch selbst etwas zu dieser Distanz beigetragen hat, ist ihm natürlich weniger klar. Was also tun? Den bequemen Weg gehen und sich ebenfalls zurückziehen? Oder es doch wagen, sich dem Kaktus zu nähern?
Wir Christen, die wir von Gott «alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt bekommen haben» (2. Petr. 1,3), können die Herausforderung, die Gott in unser Leben stellt, zuversichtlich annehmen. Und wenn dazu im Moment ein oder mehrere «Pubertierchen» gehören, dann sollten wir auch bewusst Ja dazu sagen. Der Blick auf meine Lage ändert sich, wenn ich erkenne:
Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 01/2026